Iss dich schlau

Clevere Ernährung für Kinder und Teenager.

Gleich vorneweg: dieses Buch ist wertvoll für Familien mit nörgelnden Kindern, die mal wieder nicht das essen wollen, was die Familie gesund auf den Tisch bringt. Dies ist ein fundierter Guide für Eltern, mit dem man die Tricks der Werbung und Lebensmittelindustrie annähernd besser verstehen und durchschauen kann.

Supermärkte können die reinsten Irrgärten sein. Geschickt, trickreich und oft manipulativ wird für kleine Wesen dekoriert, aufgebaut, eingepackt und dummes Zeug ganz offensichtlich erzählt. Marketingsprech mit angeblich gesunder Intention, ganz zu schweigen von Doppeldeutigkeiten und Wortverdrehungen auf Verpackungstexten vermeintlich gesunder Lebensmittel, die alle auf den ersten Blick vollwertig erscheinen. Und schnell entpuppen sie sich als Zuckerbomben, Dickmacher u.ä.

Warum gesunde Ernährung für Kinder so wichtig ist

„Werbebotschaften werden noch und nöcher über alle Kanäle gejagt und besetzen als Wahrheit getarnt unsere Gedankenwelt und minderwertige Waren erhalten durch geschickte Winkelzüge ein „gesundes Gesicht…“ schreibt die Autorin im Vorwort. Einer AOK-Studie von 2017 zufolge sind 10-20 % der Kinder in Deutschland übergewichtig und essen zu viel Fett, zu viele Süßigkeiten und bewegen sich dabei viel zu wenig.

Kreative Einkaufshilfen und Rezepte für Gemüsehasser

Astrid Steidl ist Lehrerin am Gymnasium und sie achtet seit mehreren Jahrzenten sehr auf Ernährung für Kinder und deren Gesundheitsoptimierung, vornehmlich in Schulen. „Iss dich schlau“ ist ein Anfang, Kindern spielerisch die Grundzüge einer gesunden Ernährung zu vermitteln, sie neugierig zu machen und für das gemeinsame Einkaufen, Kochen und Essen zu gewinnen. Die Betonung liegt auf „gemeinsam“, das ist nämlich ein Teil der Lösung. In freundlicher, familiärer Atmosphäre und mit genügend Zeit macht das gemeinsame Essen auch den Kleinsten schon große Freude.

In zwei Kapiteln teilt sie das Buch sinnvoll ein:

Teil I
Die gekonnte Navigation durch den „Irrgarten Supermarkt“ bedarf einiger bewusster Übungen, denn einkaufen im Supermarkt ist wirklich keine leichte Sache. Ein Supermarkt ist klar strukturiert und gewinnorientiert aufgestellt. Los geht es in den Märkten mit Brotbackautomaten und vermeintlich frischen Brötchen. Alles, was aussieht wie Vollkorn, ist oftmals nur nett und tückisch drapiert. Der Nährstoffgehalt einfärbter Backwaren (mit Malz, um die gesunde Farbe zu erzielen), Tütensuppen von A-Z ohne detaillierte Nährstofftabellen oder Fertiggerichte aller Art wie auch Pizzen im Tiefkühlfach haben alle etwas gemeinsam. Sie sind weder gesund noch sorgen sie für die ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung. Gewitzte Marketingstrategen verfügen über Milliarden Budgets, um uns alle geschickt vom Gegenteil zu überzeugen.

Und erfinderisch sind sie ohnehin in der Auswahl vieler unbekannter, aber gesund klingender Namen, die sich auf den 2. Blick alle auf Zucker zurückverfolgen lassen. Eine echte Alternative, um Kinder bewusster zuckerfrei zu ernähren, ist Honig.

Astrid Steidl liefert weiterhin viele Argumente zu „Kuhmilch“ ja oder nein und „Fleisch“ ja oder nein. Sinnvolle Getränkealternativen zu den Limonaden, Colas und Säften dieser Welt, die meist völlig überhöhte Zuckerberge beinhalten, sind selbstgemachte Schorlen aller Art.

Teil II
Im 2. Kapitel wird die spannende Frage gestellt:
„Mit der Beute wieder nach Hause und dann?“

Die Antwort lautet zB für kleine „Gemüsehasser“: Rohkost pürrieren und mit Farben tricksen, keine Tomatenstückchen in der Suppe lassen und Kinder am Kochen teilhaben lassen. Sie können beispielsweise mithelfen, wilde Kräuter zu sammeln, selbst Brennessel, Gänseblümchen, Giersch oder Löwenzahn in den Salat oder in die Suppe zu schnibbeln oder als gesunde Unterlage auf dem Brot zu verteilen.

Und Pizza? Gerne. Vollkornteige, Dinkelteige sind richtig gute Alternativen und sie machen wirklich satt.

Der wichtigste Rat von Astrid Steidl ist, zusammen zu essen, als Familie am gedeckten Tisch und als Vorbild für die Kleinen, wie schön es ist, zusammen zu essen, zu erzählen und zu genießen.

Und wer hat nicht wunderschöne Erinnerungen an ein Sonntagspicknick mit der Familie draußen im Grünen. Auch das ist eine sehr gute Möglichkeit, anstelle des Cafés um die Ecke, Nahrhaftes und Süßes selbst vorzubereiten und unterwegs in der Natur, im Park oder im Garten zu genießen.

Mein Fazit

Es muss ja nicht gleich alles auf einmal anders werden. In Etappen starten, an bestimmten Wochentagen, ab dem nächsten 1. des neuen Monats oder ähnliche Kompromisse sind ein guter Zeitmesser. Das Thema „Gesunde Ernährung“ einfach am Anfang ein bißchen sportlicher sehen und gemeinsam aktiv mit den Kindern gestalten, keine Radikalkur mit ellen langen Diskussionen starten. Eltern sind ein Vorbild, es versteht sich von selbst, dass sie ebenso gesund essen. Natürlich ist das ein großes weites Feld und ein Prozess, bei Erwachsenen, wie auch bei Kindern.

Ihr Buch widmet sie ganz nebenbei ihrer verstorbenen Mutter, die sich ein Leben lang für die gesunde Lebenweise ihrer Tochter eingesetzt hat. Wie gesagt, es muss ja nicht gleich alles auf einmal anders werden…

Link zum Verlag

Fakten

Titel: Iss dich schlau
Verlag: Nymphenburger Verlag
Autor/en: Astrid Steidl
Seiten: 160
Ausstattung: Hardcover
Preis: 17 €

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